Sprachenzentrum-Blog

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Virtuelle Hilfen beim Spracherwerb: Tandemdatenbank

8. August 2013, von admin · Keine Kommentare

tandemdatenbankDie schwarzen Bretter auf den Gängen des Sprachenzentrums werden immer wieder mit Zetteln gespickt, auf denen Studierende Tandempartner suchen: Tschechisch-Deutsch, Deutsch-Spanisch, Deutsch-Englisch … und so weiter und so fort. Kaum eine [weitverbreitete] Sprache, die nicht gesucht und geboten wird. Kürzlich fiel mir sogar ein Zettel ins Auge, mit welchem Mexikaner E-Tandem-Partner suchten.

Ich kann mir nicht so richtig vorstellen, wie ein E-Tandem abläuft, aber ein Tandem selbst ist eine feine Sache. Sobald es jemanden für länger in eine fremde Stadt verschlägt, ist es sogar absolut empfehlenswert, sich am besten gleich mehrere Tandems zuzulegen um nicht im Saft der Landsleute zu schmoren.

Beim Tandemlernen geht es im Großen und Ganzen um das interkulturelle selbstständige Sprachenlernen. Einmal eine, danach die andere Sprache, am besten an ganz vielen verschiedenen Orten in ganz vielen unterschiedlichen Situationen. Als es mich für längere Zeit nach Polen verschlagen hat, habe ich so meinen Horizont schnell erweitert, schöne Plätze und Parks gesehen, sämtliche Ecken meiner neuen Stadt kennengelernt, kultige Kneipen und sehr gemütliche Cafes besucht. Dazu lernte ich die Denkweise der Menschen meines Gastlandes kennen und war nach kurzer Zeit wunderbar polonisiert. Kurz ich bin ein Tandem-Fan.

Wenn ich heute an den vielen schönen Tandemgesuchen vorbeigehe, freue ich mich natürlich, dass die Methode nach wie vor sehr beliebt ist. Gleichzeitig mache ich mir aber auch Gedanken über die Erfolgsrate der hoch motivierten Suchenden. Erstens: Ich sehe nie oder nur ganz ganz selten jemanden vor den schwarzen Brettern stehen, denn davor stehen zu bleiben erfordert Zeit. Oft sind die schwarzen Bretter aber nicht neben den Kursräumen angebracht, vor denen die Sprachlernenden warten. Dann müssen kleine Zettel oft mit vielen anderen kleinen Zetteln konkurrieren und es fehlen Abreissschnippsel. Ich bin zu faul, eine E-Mail-Adresse oder Telefonnummer abzuschreiben. Also versuche ich, sie mir zu merken (was meist nicht klappt) oder nehme den ganzen Zettel mit. Damit raube ich anderen potentiellen TandempartnerInnen die Möglichkeit, den kleinen Zettel inmitten anderer kleiner Zettel zu entdecken und vergesse ihn dann auch noch. Sprich die Wahrscheinlichkeit, dass ein Tandem zustande kommt für das ich mich einen Augenblick interessiere, geht gegen Null. Bei auffälligen Zetteln mit Abreissschnippseln liegt sie gemäß eigenen Erhebungen bei ca. drei Prozent.

Erfreulicher Weise gibt es auch für die Tandemsuche diverse Online-Helferchen, beispielsweise die Tandemdatenbank des Sprachenzentrums. Hier platzierte Einträge sind von überall aus zu jeder Tageszeit erreichbar und können von niemandem mitgenommen und vergessen werden. Suchende können die bestehende Datenbanken durchstöbern und dabei viele nützliche Filter ins Spiel bringen. Neben der gewünschten und gebotenen Sprache lässt sich auch angeben, ob lieber mit Weiblein oder Männlein geplauscht werden möchte, wie viele Lenze GesprächspartnerInnen auf dem Buckel haben sollen und ob Treffen gewünscht werden oder ein E-Mail-Tandem reicht.

Bleibt die Trefferliste leer oder entsprechen die Treffer nicht den eigenen Wünschen und Vorlieben, ist es möglich, ein eigenes Gesuch zu veröffentlichen. Dieses sollte neben den schon gewünschten Angaben auch eine kurze Vorstellung enthalten, so dass Interessierte sofort Vorlieben und NoGos sehen. Wer gerne tagsüber in kleine Cafes und Kneipen geht, Brettspiele, Kino und Wandern spazieren mag, passt vielleicht(!) nur bedingt zu nachtaktiven Mitmenschen, die Schlagzeug spielen, nach Torschluss durch Parkhäuser skaten wollen und Schaumparties favorisieren.

Die Chance, auf diesem Weg zu einem Tandem zu kommen, ist bestimmt höher, als wenn nur auf das schwarze Brett gesetzt wird. Noch wahrscheinlicher wird ein Tandem jedoch, wenn Online- und Offlinewelt kombiniert, sprich Datenbank und Zettelgesuche an schwarzen Brettern und Laternenpfählen gleichzeitig genutzt werden.

Tags: Selbstlernen