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Ein Bericht über ein deutsch-Französischer Tandemkurs in 2014 – HU Berlin/Paris 3/ OFAJ

9. April 2014, von Muriel von Dungern · Keine Kommentare

Über 50 und noch à jour?

Am 22. Januar 2013 feierten Frankreich und Deutschland mit dem 50.Jahrestag des Elysée Vertrags zum wiederholten Mal die Deutsch-Französische Freundschaft… und genauso alt ist das daraus entstandene Deutsch-Französische Jugendwerk abgekürzt OFAJ-DFJW, was mit Großzügigkeit und großem Engagement einige Projekte um die Deutsche und Französische Sprachen fördert, u. a. als binationale Tandemkurse.

Vom 24.02.2014 bis zum 09.03.2014 haben Muriel von Dungern für das Sprachenzentrum der HU Berlin und Wiebe Bertram für das Département d’Études germaniques der Université Paris 3 Sorbonne-Nouvelle mit dem Unterstützung vom OFAJ-DFJW, die Tradition des Tandemkurses wieder zum Leben erweckt.

Das Prinzip ist einfach: ein Tandemkurs ist ein Intensivkurs, der zehn Französische und zehn Deutsche StudentInnen zusammenbringt, die jeweils die Sprache der anderen auf dem Niveau B2 beherrschen und zwei Wochen lang sowohl im Unterricht als auch in der Freizeit Binome bilden. Kommuniziert wird, je nach Aufforderung der Kursleitern, abwechselnd auf Deutsch und auf Französisch. Die Unterbringung soll falls möglich bei den Tandempartnern erfolgen.

Ein binationaler Tandemkurs stellt sowohl ein Wagnis als auch ein Ausdruck der Neugier, des Engagements und des Vertrauens in die anderen dar. Muss nicht soviel positive Energie belohnt werden? Doch! Ab dem Moment, wo die 11 Berliner die 11 Pariser am Flughafen Berlin-Tegel abholten bis zu unserem Rückflug aus Paris-Orly am 9.März 2014, blieb die Sonne auf unserer Seite und es wurde immer wärmer: keine Zweifel, auch der Lenz war uns wohl gesonnen.

Die Besonderheit eines Tandemkurses ist, dass er den StudentInnen eine zentrale Rolle bietet. Diese werden im Laufe der Aktivitäten beides Lernende und Lehrende, da sie auch die Fehler des Tandempartners/der Tandempartnerin korrigieren dürfen, korrigieren sollen. Daher wird gemeinsam von Anfang an darüber nachgedacht, wann und wie oft diese Korrekturen mit dem Tandempartner/In ausgetauscht werden. Darüber hinaus muss jeder/jede auch für sich eine Strategie entwickeln, damit er/sie in diesen zwei Wochen wirklich Fortschritte macht.

 

Der Tandemkurs „Berlin-Paris 2014“, der aus 17 Studentinnen und 3 Studenten bestand, war sofort eine lustige, offene, engagierte und sehr angenehme Gruppe. Die Franzosen, die in Berlin privat bei den Studenten untergebracht waren, haben sofort mit den Deutschen Partnern gut harmonisiert. Fast wie in alten Partnerschaften entwickelten einige Studenten Tricks, damit die Zweisamkeit mehr nach eigener Vorstellung verlief: z.B. Wann muss ich meinen Tandem wecken, damit wir beide pünktlich zum Unterricht erscheinen?

Die Diskutierfreudigkeit war stets gut und, egal was für Aktivitäten oder Besuche auf dem Plan standen, wir hatten nie das Gefühl die Studenten voran treiben zu müssen: ob Lunchkonzert in der Berliner Philharmonie, ob Führung durch den Bundesrat oder durch die Französische Botschaft, ob Besuch des Kult Music Halls „Linie 1“ im Grips Theater, alle waren begeistert dabei sogar wenn die Nächte, wegen Apfelstrudelbacken zu 20 in einer Berliner Studenten-Wohngemeinschaft oder verschiedenen Ausflügen in Klubs oder Bars, manchmal ein wenig kurz gerieten. Bei den Simulationen, die einerseits unter der Leitung von Marjorie Nadal (Ménagerie e.V.) zum Thema Klischees und andererseits mit Dr. Ulrike Litters zum Thema interkulturelle Verhandlungen im Berufsfeld, stattfanden, traten sogar einige Studenten/Innen in den Vordergrund, von denen man es nie erwartet hätte. Für die war es auch ein persönlicher Erfolg!

In Paris angekommen, blieb die Stimmung gut obwohl die Gruppendynamik sich leicht verschob, dadurch dass die Berlinerinnen und Berliner alle in einem kleinen Hostel in der rue Mouffetard, immerhin direkt an der Uni, waren. Die Studentinnen schliefen zu acht auf engstem Raum und waren zum Schluss stolz darauf, durchgehalten zu haben. Es verlangte in der Tat von allen viel Disziplin und Ordnung und die Unterschiede in der Wahrnehmung von Kälte und Wärme wurden wohl allen deutlich.

 

Ansonsten genossen die Teilnehmer die Besichtigung der Assemblée Nationale sehr, sowie die thematischen Erkundungen von Paris. Auch der Besuch des Theaterstücks „Un barrage contre le Pacifique“ von Marguerite Duras beeindruckte alle sehr. Das Dekor des Athénée Theaters (in der Nähe von Opéra Garnier) ist original aus dem 19e Jahrhundert, wunderbar mit seinenVergoldungen, rotem Samt und Logen während die Régie durch ihre Schlichtheit einen überzeugenden Kontrast bot. Auf geringere Hitze und auf mehr Sauerstoff hätten wir uns allerdings sehr gefreut… oder gehörte das auch zur Inszenierung? Ungeschlagen oben in der Top Ten Liste bleiben die gemütlichen Mittagspausen mit Picknick in dem Jardin des Plantes, wo wir beinahe eine Mittelmeer Stimmung spürten!

Insgesamt ist die Wiederaufnahme des Tandemkurses zwischen HU Berlin und Paris3 Sorbonne-Nouvelle ein voller Erfolg, auch weil es nicht nur um die Deutschen oder Französischen linguistischen Fortschritte geht, sondern auch um ein menschliches und multikulturelles Miteinander, was persönliche, linguistische und geographische Grenzen mindern soll. Wichtig ist es die Kultur der anderen zu verstehen und zu vertiefen, dennoch bezweckt auch solch ein Kurs ein besseres Verständnis der eigenen Landes und der eigenen Identität. Schließlich geht es zusätzlich zu dem Erlernen einer Fremdsprache auch darum, Klischees aufzuklären und Missverständnissen vorzubeugen.

Freundschaften, mononationale wie binationale, sind im Laufe dieser zwei Wochen entstanden. Die Wette des OFAJ-DFJW ist aufgegangen: unsere Studenten, Deutsche wie Franzosen, haben sich alle als aufgeklärte Botschafter ihres Landes entwickelt. So sind wir alle zuversichtlich, dass einige sich nicht zum letzten Mal getroffen haben und diese Beziehungen verfestigen werden.

Unser Fazit lautet also: ja, es lohnt sich als Student und als Teamleiter an so einem Kurs teilzunehmen und wir, Kursleiterinnen, möchten dieses Projekt in 2015 fortführen… und wenn das Programm schon 50 Jahre alt ist, ist es dennoch ein modernes Programm, wovon unsere junge Mitmenschen wirklich profitieren können. Allen Studenten, die auf dieser schöner „Reise“ dabei waren, meiner Kollegin aus Paris Wiebke Bertram und dem OFAJ-DFJW sage ich also „Danke/Merci!“ et „À bientôt/Bis bald!“

In Berlin, 09.04.2014

Muriel v. Dungern

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